Namibia 1999
Paradies der Einsamkeit
1996 sahen wir einen Diavortrag von Gerhard Fischer im Clublokal des Expedition Club Austria. Dieser Vortrag hat uns so begeistert, daß wir beschlossen, Namibia müssen wir irgend wann einmal bereisen.
1999 war es dann endlich so weit. Von Österreich aus organisierten wir den Flug, das Mietauto, die Ballonfahrt und die Übernachtungen in der Ethosha und Windhoek (Dank an Christine Fischer).
Am 6. August flogen wir (das sind Erich, Doris, Matthias, Eva, Karin, Birgit und Walter) von Wien über Frankfurt – Harare nach Windhoek. Vom Flughafen Windhoek sind wir wie ausgemacht abgeholt worden, doch leider fehlte Erich`s Gepäck.
In Windhoek übernahmen wir dann 2 Toyota HILUX mit je 2 Dachzelten und voller Campingausrüstung .
Beim Verlassen des Vermieters hatten wir gleich die ersten Erfahrungen mit Linksverkehr: Scheibenwischer statt Blinker. Doch nach ein paar Tagen hat man es auch "intus".
Nach einem Großeinkauf in einem gut sortierten Supermarkt, steuerten wir einen Campingplatz an, um Ordnung in unsere Autos zu bringen.
Am Sonntag war geplant, so rasch als möglich nach Süden zum Köcherbaumwald zu fahren (500 km Asphalt). Aber Erich mußte nochmals zum Flughafen fahren und siehe da, sein Gepäck ist angekommen. Durch diese Verspätung kommen wir erst bei Sonnenuntergang an. Die erste Tätigkeit war nun Fotoapparat und Stativ auspacken und kitschige Köcherbaumfotos schießen. Bei Dunkelheit werfen wir den Griller an und speisen unsere ersten namibischen Steaks.
Am nächsten Morgen stehen Erich und ich zeitig auf um Köcherbäume im Sonnenaufgang zu fotografieren. Wir frieren wie die Schneider denn es hat nur + 4 Grad, aber die Stimmung ist überwältigend.
Nach dem Frühstück geht es weiter in den Süden zum Fish River Canyon. Dies ist nach dem Grand Canyon der zweitgrößte Canyon der Welt. Wir genießen den herrlichen Ausblick, doch die Kinder drängen zur Weiterfahrt, denn das heutige Ziel heißt "Ai Ais". Dies sind warme Thermalquellen, wo wir Stunden im Wasser planschen. Am Abend gehen wir das erste Mal essen und sind ganz begeistert von der Qualität und dem Preis der einheimischen Lokale (Steak mit Beilage ca. 70 Schilling).
10. August:
Wir fahren weiter nach Süden bis zur Südafrikanischen Grenze und dann entlang des Oranje Richtung Westen. Die Gegend um den Oranje ist traumhaft (grün, Weingärten, Wasser) und einsam. Abends campieren wir wild an der Mündung des Fishrivers in den Oranje. Ein deutsches Ehepaar mit einem Landcruiser gesellt sich noch zu uns. Bei dem obligaten Lagerfeuer und einigen Gläsern Wein werden Geschichten ausgetauscht. Die anschließende Nachtruhe wird nur durch das Gebrüll der Paviane gestört.
Der nächste Tag führt uns entlang des Diamanten-Sperrgebiets nach Norden und dann nach Lüderitz. Diese Stadt hat einen sehr starken deutschen Einschlag. Nach einer Nacht am Atlantik, sehen wir am Morgen erstmals Wolken am Himmel, doch es sollten die Einzigen in den ganzen 3 Wochen sein.
Das nächste Ziel ist die alte Diamantenstadt Kolmanskuppe. Es ist schon beeindruckend, was seinerzeit mit Geld alles möglich war. Es gab hier vom Ballsaal bis zur Kegelbahn alles. Doch mit dem Ende der Diamantenfunde verfiel auch die Stadt. Heute werden nur mehr einige Gebäude als Museen instandgehalten und der Rest wird von der Wüste zurückerobert.
Der Weg geht dann weiter entlang des Namib Rand Parks in Richtung Sossusvlei.
Je weiter nördlich wir kommen, desto roter wird der Wüstensand. Auf der Strecke entdecken wir einen Campingplatz und beschließen dort zu übernachten. Der Platz ist ganz neu und es gibt heiße Duschen, die wir nach dem vielen Staub auskosten. Da wir die einzigen Gäste sind, benutzen wir den Griller des zukünftigen Restaurants und genießen den Sonnenuntergang bei Steak und Rotwein.
Von diesem Platz sind es nur mehr ca. 150 km bis Sossusvlei, so daß wir zu Mittag im dortigen Camp eintreffen. Wir haben Glück und es ist noch ein Stellplatz frei. Diese Stellplätze kann man aber mit Europa nicht vergleichen, denn bei uns würden auf solch einem Platz mindestens 6 Wohnmobile stehen.
Nachmittags fahren wir die 60 km zu den bekannten roten Dünen. Mühsam wird die "Düne 45" erklommen und alle sind sprachlos vom Farbenspiel der Natur. Nach Sonnenuntergang heißt es Vollgas zurück ins Camp, da um 18 Uhr 20 die Tore geschlossen werden.
Samstag, 14.8.1999
Heute müssen wir zeitig aus den Federn, da um 6 Uhr 20 die Ballonfahrt beginnt. Die Ballons (2 Stück) starten in unmittelbarer Nähe des Camps. Wir erleben den Sonnenaufgang im Ballon über der Wüste und sind wieder sprachlos (wie so oft noch). Nach der Landung gibt es Sektfrühstück mitten in der Wüste. Mittags gesellen sich unsere deutschen Bekannten zu uns (Stellplatz ist ja groß genug). Nachmittags fahren wir wieder die 60 km in die Dünen zum Sussusvlei (das ist eine Lehmsenke, die sich alle paar Jahre mit Wasser füllt). Doch wir sind enttäuscht wie viele Leute hier die Dünen mit ihren Spuren schon verunstaltet haben, doch unsere deutschen Bekannten gaben uns den Tip, das "Death Vlei" zu besichtigen. Um dieses Vlei zu erreichen, muss man ca. eine ¾ Stunde durch die Dünen wandern. Dieser Tip war Gold wert, denn hier waren wir alleine. Die Fotoapparate wurden bis zu ihrer Leistungsgrenze strapaziert. Bei Sonnenuntergang das selbe Spiel wie am Vortag (Vollgas....).
Am Sonntag besorgen wir uns ein Permit für den Namib-Naukluftpark. Unser Ziel ist am Montag Walfishbay. Die Sandwüste geht abrupt in eine Kieswüste über. Wir schlafen in Kies se Rus wild und sehen morgens unseren ersten und einzigen Skorpion. Da sehr starker Wind weht, beschließen wir unser Frühstück bei der nächsten geschützten Lage einzunehmen. Es waren 150 km!
In Walfishbay füllen wir unsere Vorräte (Essen, Trinken, Geld, Benzin) auf und schlagen unser Lager in Langstrand auf. Die Kinder finden am Strand eine angeschwemmte Katzenhai – Schule (76 Stück). Diese werden für 2 Tage ihr Spielzeug (den Duft kann man sich ja vorstellen). Das Campingplatz - Restaurant hier war das beste Lokal was wir in ganz Namibia gesehen haben
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Dienstag, den 17.8.1999 fahren wir nach Swakopmund einkaufen (sehr gute Outdoorgeschäfte mit Leder und Safariausrüstung) und weiter über die "Martin Luther" den "Welwitschia –Trail". Dieser Trail wird im Reiseführer als sehr schön gepriesen, aber rückblickend muß gesagt werden, man sieht die Pflanzen auch so unterwegs (teilweise auch schöner) und den einen Tag sollte man z.B. im Ugab anhängen.
Am nächsten Tag fahren wir über die Spitzkoppe (Matterhorn Namibias) zur "Ameib-Ranch". Das Spitzkoppe Massiv ist ein Muss und wenn es geht sollte man auch dort Übernachten.
Wir übernachteten aber auf der Ameib-Ranch. Wie immer das übliche Abendprogramm: Dachzelte aufbauen, Feuer machen, Wein öffnen, Steaks grillen und stundenlang beim Lagerfeuer philosophieren.
Donnerstag besichtigten wir die zur Farm gehörige "Bulls Party" und die Felsenmalereien in der Philipshöhle. Danach fuhren wir entlang des Erongo - Gebirges in Richtung Brandberg. Da wir von der Kletterei auf der Ameibfarm hundemüde sind, verzichteten wir auf die "White Lady". Wir schlafen im Hof des Gästehauses "Lietzenstein". Zum Abendessen wird das Wohnzimmer kurzerhand zum Restaurant umfunktioniert und wir werden vorzüglich bekocht.
Der nächste Fixpunkt sind die Robben am Kreuzkap.
Wir wagen es zuerst nicht, die Autotüren zu öffnen, da es so unbeschreiblich stinkt, nach einiger Zeit ist es dann doch nicht mehr so arg und wir genießen das bunte Treiben der Tiere. Später stellen wir dann fest, dass wir genau so stinken.
Im Expedition Club hat uns Christoph über eine Route vom Ugab Camp nach Twyfelfontein erzählt. Also fahren wir in Richtung Skeleton Coast Park und suchen den Einstieg in das Ugabtal – vergeblich. Am Eingangstor zum Skeleton Coast Park fragen wir den Parkangestellten. Dieser erklärt uns den Weg über die Schotterpisten, den wir dann auch finden und das Ugab Camp erreichen. Das Primitiv - Camp wird von Schwarzen selbstverwaltet und liegt mitten im Ugab Tal. Die Kinder finden sich ein Warzenschwein als Spielgefährten. Der Verwalter des Camps besitzt die Kopie eines Planes, der die Strecke von Ugab nach Twyfelfontein zeigt. Ich zeichne mir diesen Plan freihändig ab und nächsten Tag fahren wir nach meinem "Plan". In der Nacht besuchen Elefanten das Camp und am Morgen jagt eine Pavianherde durch.
Die Strecke nach Twyfelfontein soll ca. 75km sein. In der Getriebeuntersetzung zuckeln wir zwischen Steinplatten, spitzen Steinen und Sandlöcher durch. Die ersten Verzweigungen sind noch eindeutig, aber irgendwann stimmt mein Plan mit der Umgebung nicht mehr zusammen. Wir fahren noch einige Kilometer weiter, bis wir beschließen, das GPS auszupacken (in der hintersten Kiste natürlich). Erich hat einen Reiseführer mit GPS Koordinaten und so stellen wir fest, das wir 13 km vom Ziel entfernt sind und eine Abzweigung übersehen haben. Nach 5 Stunden Fahrt erreichen wir die Felsgravuren von Twyfelfontein. Nach einer Besichtigung nächtigen wir 5 km weiter auf einem einfachen Campground. In der Nacht werden wir von herumstreunenden Eseln aufgeweckt, die es auf die Mülltonne und den Wasserhahn abgesehen haben.
Heute ist Sonntag und unser Ziel ist der Etosha Park. Auf dem Weg dorthin besichtigen wir noch den versteinerten Wald und den Fingerklipp. Am späten Nachmittag treffen wir dann in Okaukujeo ein. Die Kinder stürzen sich gleich in das Pool, ich trinke ein kühles Bier, Erich reserviert das Abendessen im Restaurant und die Mädel´s gehen duschen. Vor dem Sonnenuntergang gehen wir zum Wasserloch (vom Camp aus zu beobachten) und wir sind wieder einmal sprachlos: eine Elefantenherde vor der untergehenden Sonne. Wir beeilen uns mit dem Abendessen um wieder die Tiere am Wasserloch zu beobachten (Elefanten, Nashörner und Schakale).
Die nächsten Tage sind ganz im Zeichen der wilden Tiere. Wir sehen Löwen, Zebras, div. Gazellen, Oryx, Giraffen, Gnus, Elendantilopen, Erdmännchen, Strauße, Warzenschweine, Elefanten, Vögel aller Art usw.
Mittwoch verlassen wir den Park in Richtung Windhoek. Nach einer Pause beim Hobab – Meteoriten schlafen wir am staatlichen Campground in Grootfontain. Unsere Frauen sind schon aufgeregt, denn am Donnerstag kommen wir zum Holzschnitzermarkt in Okahandja.
Hier preist jeder Verkäufer seine Ware als die Beste und Billigste an. Mit ein bißchen handeln zahlt man dann ca. die Hälfte des sogenannten "special price for you". Da wir größenmäßig beschränkt sind (Flugzeug), fallen die Holzgiraffen und Geparden nicht so groß aus. In Groß Barmen genießen wir das letzte Lagerfeuer und sind in sentimentalen Gedanken und Rotwein versunken.
Freitags geht’s nochmals über schöne Pisten nach Windhoek zurück. In der Pension Palmquell beziehen wir Quartier für die letzte Nacht in Namibia. Diese Pension gehört Österreichern (er ist österr. Konsul) und ist ein Stück österreichische Heimat. Erich und ich bringen die Autos, die bis auf einen Reifenplatzer keinerlei Probleme machten, zurück.
Abends fahren wir mit dem Taxi in die Stadt. Ein letztes Mal noch die Mischung aus Tradition und Neuzeit genießen, Windhoek Lager und Zonneblom Wein trinken und ein 40 dag Steak essen – wunderbar!
Samstag werden wir vom Autovermieter zum Flughafen gebracht und es geht über Harare- Frankfurt nach Wien. Hier landen wir Sonntag Vormittag bei Regen und wir alle würden am liebsten wieder zurückfliegen !!!
Eva und ich haben beschlossen, sobald als möglich wieder nach Namibia zu reisen.
16.11.08 2m